Höhenflug des Phantoms-Nachwuchses bei der Deutschen Meisterschaft wird erst im Halbfinale gestoppt. Was wäre möglich gewesen, hätte sich Spielmacher Anton Gerasimov nicht im Halbfinale beim German Junior Flag Bowl, der deutschen Jugendflag-Meisterschaft, zum Ende der ersten Halbzeit eine schwere Prellung zugezogen? Bis dahin führten die Phantoms, das jüngste Team im Teilnehmerfeld, gegen die hoch favorisierten Kiel Wild Hurricanes mit 7:0 und waren drauf und dran, die Sensation zu schaffen.
Doch ohne ihren bis dahin famos aufspielenden Quarterback und den dadurch bedingten Umstellungen lief offensiv fortan nicht mehr viel zusammen für die ohnehin schon arg verletzungsgebeutelten jungen Phantoms. Zwar machte die Defense auch in der zweiten Halbzeit den körperlich deutlich überlegenen Norddeutschen das Leben schwer, mussten aber letztlich das spielentscheidende Field Goal zur 7:10 Niederlage wenige Minuten vor Schluss hinnehmen.
Joshua Poznanski, der zuvor auf Zuspiel von Anton die Führung der Phantoms nach einer Angriffsserie über 80 Yards erzielte, tat sein Bestes als Ersatz-Quarterback, fehlte aber natürlich dann auch als Wide Receiver im Angriffsspiel.
So endete der unerwartete Höhenflug der zum Ende des zweitägigen Turniers gerade mal noch 13 spielfähigen Phantoms denkbar unglücklich erst im Halbfinale gegen den späteren deutschen Vizemeister. Die Kieler unterlagen dann im Finale dem alten und neuen Deutschen Meister Langenfeld Longhorns mit 7:13.
Nach einem möglichen Vorstoß ins Halbfinale hatte es für die personell dezimierte Truppe aus Wiesbaden am Samstagmorgen wahrlich nicht ausgesehen. 0:13 unterlag man zum Auftakt der Gruppenphase dem deutschen Hallenmeister Nürnberg Rams bei der Neuauflage des Hallenfinales wenige Monate zuvor. Trotz eher mäßigem Spiel hatten die Phantoms beim Spielstand von 0:6 sogar die Chance auf den Ausgleich, eine Interception, die von den Rams postwendend über 85 Yards zum Touchdown zurückgetragen wurde, sorgte jedoch für die Entscheidung im Spiel.
Unerwartet deutlich wies man im Anschluss dann aber die Hamburg Flag Devils mit 14:0 in die Schranken, die zuvor die gastgebenden Frankfurt Pirates mit 7:6 besiegen konnten. Nach den Touchdowns von Robert Kujawa und Anton Gerasimov hatte man plötzlich wieder die Chance auf einen der vorderen beiden Plätze, auf das Halbfinale.
Eine Perspektive, die scheinbar lähmte. Denn gegen die Dresden Monarchs gab es statt zielstrebigen Angriffsserien anfangs deutlich zuviel Sand im Getriebe. Lediglich die Defense erwies sich erneut als starke Einheit und hielt die "Null". Erst mit längerer Anlaufzeit brachte Joshua Poznanski die ersten sechs Punkte auf die Anzeigetafel und vollstreckte auch in der zweiten Halbzeit zum entscheidenden 12:0.
Im letzten Spiel des Tages gegen die Frankfurt Pirates würde den Phantoms ein Unentschieden reichen, um die Überraschung zu schaffen. Es war das direkte Duell um den zweiten Halbfinal-Platz hinter den starken Nürnberg Rams. Ohne Jan Zipper und Kian Barazandeh, die zu diesem Zeitpunkt in der Röntgen-Abteilung der Frankfurter Uni-Klinik weilten, lieferten sich Phantoms und Pirates einen verbissenen Kampf.
Mit zunehmender Spieldauer kauften Anton Gerasimov & Co. den Pirates mehr und mehr den Schneid ab. Zunächst trug Robert Kujawa den Ball über eine lange Strecke bis wenige Meter vor die Frankfurter Endzone, bevor Spielmacher Anton mit einen Trickspielzug zwei Minuten vor Spielende den Halbfinal-Touchdown erzielte. Nach Kenan Mersins verwandeltem Extrapunkt kannte der Jubel auf Phantoms-Seite keine Grenzen, zumal das letzte Aufbäumen der Pirates in den Armen der Phantoms-Verteidigung endete.
"Wenn man bedenkt, dass vier Spieler verletzungsbedingt erst gar nicht antreten konnten, wir mit Jan und Kian dann noch zwei weitere Ausfälle schon früh im Turnier beklagen mussten, ist die Leistung dieser Jungs gar nicht hoch genug zu bewerten. Dass es dann ausgerechnet noch Anton im Halbfinale mit einer Verletzung erwischte, setzte dem Drama dann in negativer Hinsicht die Krone auf. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mit unserem etatmäßigen Quarterback im weiteren Verlauf des Spiels mehr als die sieben Punkte erzielt hätten, wir die Kieler geschlagen hätten. Das Schicksal wollte es wohl nicht, dass wir die Sensation schaffen. Aber die Jungs haben sich mit allem, was in ihnen steckte, gegen das Ungemach gewehrt und können sehr stolz auf sich sein", so Thomas Weinsheimer nach dem Ende zweier erinnerungswürdiger Tage in Frankfurt.
Im Spiel um Platz 4 lieferte man sich mit den sympathischen Rams aus Nürnberg (0:6 im Halbfinale gegen Langenfeld) ein freundschaftliches, keineswegs mehr zu ernst betriebenes Spiel, unterlag nach munterem Wechselspiel auf der Quarterback-Position aber deutlich mit 0:24.
Mit erhobenem Haupt und einem vierten Platz bei der Deutschen Meisterschaft beendeten die Flag Juniors 2009 der Wiesbaden Phantoms ihre elfte Saison, werden aber keine Zeit zum Ausruhen haben.
Denn schon am kommenden Wochenende starten die Akteure in Helm und Shoulderpads in den Diensten der B- und C-Tacklejugend der Phantoms in den Herbstspielbetrieb. Am Sonntag finden die ersten Ligaspiele beider Altersklassen im Europaviertel statt. Dann sind hoffentlich die Blessuren verheilt, die sich nach langen Stunden in der Uni-Klinik erfreulicherweise als nicht allzu schwerwiegend herausstellten.
Mehr zum Auftakt der Jugend-Herbstsaison am 4. Oktober in Wiesbaden folgt.
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